Size Matters

Vorlesungsreihe »Size Matters«

WS 2008/09 In Zusammenarbeit mit Prof Christian Janecke

Nach der Verdampfung von Raum und Zeit zum 2-dimensionalen 9x13 formuliert das fotografische Bild einen eigenen Maßstab. Die Verschiebung der Dimension, die Dehnung der Zeit und die Stauchung des Raumes werden Forschungsgegenstand sein. Gebaute Bildwelten, mikrotische Realitäten, aufgenommen mit Großformat, Lochkamera und Makroobjektiv. Im Universum des Bildes verwischen die Spuren der wirklichen Größe. Kleine Welten. Modelle. Bildgebende Fotografie.

Eingeladen waren:
Edwin Zwakman, Künstler
Oliver Boberg, Künstler
Prof. Dr. Lars Blunk (TU Berlin)
Oliver Jahn, Filmemacher
Thomas Bachler, Künstler

------------------
Edwin Zwakman
Fake but accurate


Der niederländische Fotograf und Konzeptkünstler Edwin Zwakman (*1969) untersucht auf vielfältigen Modellebenen das Spannungsverhältnis zwischen Realität, Simulation und bildlicher Repräsentation.
Auf den ersten Blick scheint es, dass Edwin Zwakman innerhalb der Tradition der dokumentarischen Fotografie arbeitet: wir sehen Neubauviertel, Autobahnkreuzungen und Arterien, holländische Ansichten, aufgenommen aus einem explizit fotografischen Blickwinkel. Die Bilder sind erkennbar aber nie identifizierbar, eine genauere Untersuchung führt zu der Erkenntnis, dass es sich um Fotografien der Modelle handelt, die er seinem Studio baut. Fake but accurate: Zwakman erstellt eine Welt, die nicht real sein kann, aber sie ist in realitätstreu. Er fordert den Betrachter auf, die Manipulation der holländischen Landschaft, das Planen dieser Landschaft und den Einfluss auf die Gesellschaft zu bedenken.

http://www.akinci.nl/Edwin_Zwakman/Zwakman.htm


------------------
Oliver Boberg

Oliver Boberg (*1965) gestaltet Bildwelten. Es sind keine alternativen Wirklichkeiten, die er entwirft; oft scheinen seine Bilder wirklicher als die Wirklichkeit selbst.
Oliver Bobergs Arbeiten beschäftigen sich mit den Unorten in unserer direkten, urbanen Umgebung. Seine Werke begründen sich auf einem umfangreichen Fotoarchiv, aus dem er Details, Farben und Strukturen auswählt und diese in seinen Modellen zu einer prototypischen Architektur zusammensetzt.

In aufwendig gestalteten Modellen baut er unspektakuläre, gewissermaßen am Rand der Wahrnehmung angesiedelte Orte und inszeniert diese Modelle in Fotografien, die zunächst wie Aufnahmen tatsächlich existenter Plätze wirken, ja sogar Wiedererkennungseffekte auslösen. In seinen früheren Arbeiten konstruierte Boberg bestimmte, hinsichtlich ihrer Funktion oder architektonischen Einbindung relativ festgelegte Orte, an denen die Zeit stillzustehen schien. Später trat die Frage nach dem narrativen Moment, nach Veränderungsprozessen, von denen die Orte erzählen, stärker in den Vordergrund: Abgerissene oder im Rohbau befindliche Gebäude und ein brachliegendes Gelände kamen nun hinzu (2003/04). Auch in Bobergs Filmen, die parallel zu den Fotografien entstanden, spielte er mit den Assoziationen, Erwartungen und Gefühlen, die durch kleinste Veränderungen ausgelöst werden.

Lebt und arbeitet in Fürth, Bayern
Sammlungen: Guggenheim Museum, New York; Museum of Modern Art, San Francisco;Erzbischöfliches Diözsesanmuseum, Cologne; LAC, Geneve, Switzerland Sammlung DG-Bank, Frankfurt; Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt


------------------
Prof. Dr. Lars Blunck (TU Berlin)
»Der Leichnam des Herrn, den sie umseitig sehen, ist der des Herrn Bayard«
Zu Aspekten der Inszenierung, Narration und Fiktion in der frühen Fotografie

Inszenierung und Narration sind zwei der zentralen Begriffe, die immer wieder dann Anwendung finden, wenn es darum geht, eine bestimmte Art zeitgenössischer Fotografie zu kategorisieren, man denke etwa an – willkürlich herausgegriffen – Fotoarbeiten von Jeff Wall oder Gregory Crewdson. Dieser Vortrag wird indes nicht bei den „üblichen Verdächtigen“ der Gegenwartsfotokunst ansetzen, sondern zurückführen in die Frühgeschichte der Fotografie. Zum einen wird zu zeigen sein, wie sehr viele der zeitgenössischen Bildstrategien bereits in der frühen Fotogeschichte entwickelt waren. Vor allem aber soll es darum gehen, die Begriffe ‘Inszenierung’ und ‘Narration’ anhand ausgewählter Beispiele auf den Prüfstand zu stellen, mit dem Ziel, einen alternativen Begriff in die Fotogeschichte einzuführen: den der Fiktion. In und mit ihm, so die These, lässt sich sehr viel treffender die Bannkraft jener historischen wie auch heutigen Fotokunst fassen, die gemeinhin als ‘inszeniert’ qualifiziert wird.


------------------
Oliver Jahn
Ijon Tichy: Raumpilot


http://www.ijontichy.de/

„Der Weltraum und die unendlichen Weiten der Einbildungskraft sind der Schauplatz für die Abenteuer des ebenso tollkühnen wie eigensinnigen Raumpiloten Ijon Tichy.“
Ijon Tichy, eine Art „Weltraummünchhausen“, fliegt in seiner wohnlichen „Drei-Zimmer-Rakete“ durchs All. Immer mit dabei: seine selbstgebaute analoge Halluzinelle, der weibliche Roboter in Form eines Hologramms. Gemeinsam durchleben sie skurrile Abenteuer auf fremden Planeten, in kosmischen Strudeln oder in ihrer eigenen Rakete. Dabei ist Tichys Rakete eine Pressstempelkanne - eine Kaffeekanne im Alessi-Design - die von innen aussieht wie eine Berliner Altbauwohnung; die Außerirdischen sind mit bewusst einfachen Mitteln skurril und charaktervoll gestaltet. Begleitet von Tichys Erzählerstimme mit osteuropäischem Akzent, wird der Zuschauer durch eine bunte, trashige Welt geführt, die voll von Genrezitaten und aberwitzigen Einfällen ist.

2007 - Deutscher Fernsehpreis - Förderpreis/Regie für Randa Chahoud, Dennis Jacobsen und Oliver Jahn
2007 - nominiert für den First Steps Award
2008 - World Bronzemedaille beim New York Broadcasting Festival
2008 - nominiert für den Adolf-Grimme-Preis 2008 als beste Serie


------------------
Thomas Bachler

http://www.thomasbachler.de/

Thomas Bachler (*1961) ist ein Meister der fotografischen Techniken: Diainstallationen, Buchobjekte, Fotogramme, Edeldruckverfahren, Fotografien und Camera obscura Aufnahmen. Gemeinsam ist allen Werken, daß sie, einem strengen Konzept folgend, immer in Form einer Serie entstehen und sich detailliert mit unserer bzw. der apparativen Wahrnehmung befassen.
Plakate von Oliver Dignal & Lorenz Klingebiel: